Kein Land mehr für Unternehmen

Das neue kantonale Baurecht macht es Unternehmen schwieriger, ihren Standort innerhalb einer Gemeinde zu wechseln. Wittenbach ist da besonders gefordert: Hier fehlen leere Bauzonen für Unternehmen.

Gemeinden sind gefordert – wenn nicht sogar überfordert. So lässt sich auch der Fragenkatalog von Wittenbachs Gemeindepräsident Oliver Gröble am Schluss einer Infoveranstaltung zur Raumplanung interpretieren. Im Bewusstsein um Aufgaben wie Arealoptimierung oder Parkierung fragte er die anwesenden Fachleute mehrfach, welche Hilfestellungen es für die Gemeinden gebe. Es sei daran erinnert: Im Frühjahr hat Wittenbach wegen rechtlicher Mängel die Abstimmung zum Teilzonenplan Betten Süd abgeblasen («Tagblatt» vom 12. und 13. März). Abschliessende Antworten bekam Gröble am Mittwochabend nicht. «Noch haben sich wegen des neuen kantonalen Planungs- und Baugesetzes und der revidierten Raumplanung des Bundes nicht alle Mechanismen eingestellt und es ist miteinander ein Weg zu finden», so Balz Bodenmann vom Planungsbüro Strittmatter und Partner AG. Wie schwierig dies sein kann, unterstrich der selbstständige Raumplanungsexperte Ueli Strauss aus Wittenbach, seines Zeichens auch ehemaliger Kantonsplaner: «Manchmal ist der zu findende Weg ein Kampf zwischen unterschiedlichen Interessenlagen.»

Ein Teamwork von Kanton, Gemeinde, Unternehmen

In einem schien man sich einig: Sobald eine Idee vorliegt, sei mit Gemeinde und Kanton das Gespräch zu suchen. Denn: Raumplanung funktioniert nur noch partnerschaftlich. Dies gilt insbesondere auch für Unternehmen und bei Arbeitszonen, die im Fokus der Veranstaltung in Wittenbach standen. «Die Gemeindeautonomie ging mit den neuen Gesetzen in zentralen Punkten verloren», formulierte es Bruno Thürlemann, Leiter Ortsplanung vom kantonalen Amt für Raumentwicklung. Die Entwicklung für Arbeitsgebiete sei zur regionalen Aufgabe geworden. Die Betriebsverlegung innerhalb der Gemeinde auf eine neue freie Fläche ist heute nicht mehr einfach so möglich. Wittenbach ist besonders gefordert, weil es keine freien Arbeitszonen mehr gibt. Zwar sind von den 24,6 Hektaren an Arbeitszonen noch 1,3 Hektaren unbebaut, doch zur Hauptsache setzen sich diese aus fünf Parzellen zusammen. Und für diese hätten die Eigentümer Ideen und Pläne, wie Balz Bodenmann (Strittmatter und Partner) ausführte. «Demnach sind aktuell in Wittenbach null Prozent an Arbeitszonen verfügbar.» Damit liege man deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt von 25 Prozent. Bei den Wohn- und Mischzonen sind im Dorf noch 4 von 133,8 Hektaren unbebaut.

«Bei einstöckigen Neubauten friert es mich.» 

Ueli Strauss Raumplanungsberater

 

Drei Ansätze für die Zukunft

Bodenmann präsentierte der Gemeinde und den Unternehmern drei Ansätze: Erstens: Durch Landumlegungen die Parzellen neu strukturieren. Zweitens: In regionaler Abstimmung Arbeitszonen schaffen. Drittens: Die Erhältlichkeit des Landes mit Verträgen sicherstellen. Ueli Strauss hiess die Anwesenden, sich Firmenerweiterungen angesichts zu optimierender Areale gut zu überlegen. «Bei einstöckigen Neubauten friert es mich.» Diesen Themenkreis streifte auch Bruno Thürlemann. Er nannte es «Innenentwicklung und Flächenmanagement». Wolle man Flächen für Unternehmen bewahren, gelte es zusammen mit Grundeigentümern Potenziale zu finden. Nach einer Versammlung in Häggenschwil zur Ortsplanungsrevision («Tagblatt» vom 6. Juni) hat sich auch in Wittenbach gezeigt: Mit den veränderten Rahmenbedingungen muss Raumplanung neu gedacht werden.

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Originalartikel erschienen im Tagblatt am 14. Juni 2019
Redaktion: Roger Fuchs

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